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23.06.2013 | Märkische Allgemeine Zeitung/ Stephan Laude
Viel Unterstützung für Asylbewerber im Landkreis / Zahl der Zuweisungen steigt

TELTOW - Die Zahl der Asylbewerber, die im Landkreis Potsdam-Mittelmark untergebracht werden müssen, ist gestiegen. Das Soll liegt jetzt bei 326 Menschen. Darüber informierte die Fachdienstleiterin Soziales und Wohnen beim Landkreis, Gertrud Meißner, am Dienstagabend in Teltow auf einer von der Jungen Union veranstalteten Podiumsdiskussion. In Teltow liegt die Kapazität des Übergangsheims bei 160 Plätzen. Sie wird nun voll ausgelastet. Im August werden weitere 38 Personen zugewiesen. Für sie müssen noch Plätze angemietet werden.

In Teltow gab es Anfang der 1990er Jahre ein Asylbewerberheim. Im vergangenen Winter wurde auf dem selben Grundstück wieder eins eingerichtet – sehr zur Überraschung der Stadt. Die fühlte sich vom Landkreis überrumpelt, tut aber seitdem sehr viel, um die Ausländer so gut wie möglich zu integrieren. Es wurde eine Willkommen AG gegründet, die Asylbewerber wurden eingeladen, beim Frühjahrsputz mitzumachen und es gab ein Willkommens-Frühstück, dessen Ziel es war, Gespräche zu initiieren. Außerdem wurde dort von beiden Seiten – den Teltowern und den Asylbewerbern – ein Kulturprogramm geboten.

Der Landkreis engagiert sich ebenfalls über das vorgeschriebene Maß hinaus. Vor allem finanziert er Deutschkurse. „Das ist schon eine Ausnahme“, sagte Meißner. In anderen Kreisen gebe es dazu nur ehrenamtliche Angebote. Die Kurse werden von der Volkshochschule durchgeführt und dauern bis zu acht Monaten. Momentan laufen drei Kurse mit insgesamt rund 65 Teilnehmern. Meißner sagte, nach acht Monaten sei schon eine Verständigung möglich.

Nach dem Sprachkurs können die Asylbewerber einer gemeinnützigen Tätigkeit nachgehen, wo sie ihre Sprachkenntnisse weiter vertiefen können. Außerdem eröffnet sich für sie die Möglichkeit, künftig in Wohnungen zu leben, statt im Übergangsheim.

Auch Sportvereine bieten sich zur Integration an. Beim Sport komme man mit wenig Sprachkenntnissen aus, sagte der Teltower Fachgebietsleiter für Schule, Kultur und Soziales, Michael Belkner. Die pensionierte Schulleiterin und CDU-Kommunalpolitikerin Karla Weber hat dabei vor allem die Kinder im Blick, besonders die Jungs. Wenn sie nichts zu tun haben, sei das fatal. Es könne zur Kriminalität führen. Weber hat inzwischen auch Unterrichtserfahrungen mit den ausländischen Kindern. Ihre Erkenntnis: Sie sind sehr interessiert und immer mehr bemüht. Gertrud Meißner sagte, sie sei überwältigt davon, wie sich Teltow um die Asylbewerber kümmere.

Aus einem gestern veröffentlichten offenen Brief des brandenburgischen Flüchtlingsrates an die Landesregierung geht hervor, dass es anderswo erhebliche Defizite bei Unterbringung und Integration der Asylbewerber gibt. Der Flüchtlingsrat verlangt, dass sich die Politik nicht an Minimalstandards orientiert, es müsse mehr Geld investiert werden.



aktualisiert von John Kidd, 19.01.2014, 19:11 Uhr