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07.03.2013 | Märkische Allgemeine Zeitung/ Stephan Laude
Finanzspritze für Teltower Forscher
Biotechnologisches Institut in Seehof bekommt 800 000 Euro Fördermittel vom Bund
TELTOW - Das Zentrum für Biomaterialentwicklung in Teltow hat von der Bundesregierung Fördermittel in Höhe von mehr als 800 000 Euro bekommen. Darüber informierte gestern die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, Katherina Reiche (CDU), bei einem Besuch des Wissenschaftscampus in Teltow-Seehof. Die Fördermittel wurden im Rahmen der „Nationalen Forschungsstrategie Bioökonomie 2030“ vom Forschungsministerium ausgereicht. Mit dem Strategieprozess will die Bundesregierung die Entwicklung biotechnologischer Werkzeuge vorantreiben, die „druckbare Biologie“ in dünnen Schichten auf technischen Oberflächen ermöglicht, analog zu den gedruckten Schaltkreisen in der Elektronik. Es handelt sich um ein Verbundvorhaben der Gemeinschaft der Helmholtz-Zentren.

Im Gespräch...

Das Institut konnte bei seiner Gründung auf eine lange Tradition in der Kunststoffforschung zurückblicken. Bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts haben sich Wissenschaftler in Berlin und Brandenburg mit Polymeren beschäftigt. 1920 gründeten die Vereinigten Glanzstoff Fabriken das Institut Seehof. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde nicht nur in beiden Teilen Berlins Grundlagenforschung betrieben, sondern auch in Teltow. Ab 1949 firmierte die Einrichtung als Institut für Faserstoffforschung, später als Institut für Polymerenforschung. Aufgabe war, die Chemiefaserbetriebe im Osten zu unterstützen. Der Austausch mit den Wissenschaftlern in West-Berlin fand mit dem Mauerbau sein Ende. Aber die Teltower Forschungsleistungen waren so bedeutsam, dass der emeritierte Institutsdirektor Hermann Klare 1988 als auswärtiges Mitglied in den (West-)Berliner Verband für Polymerforschung aufgenommen wurde.

Mit dem Zentrum für Biomaterialentwicklung wurde also ein bewährter Standort weiterentwickelt. Auf dem selben Campus gibt es ein Gebäude, dem man seine Vergangenheit sogar noch ansieht. In den 1970er Jahren errichtet, gehörte es ebenfalls zum Institut für Polymerenforschung. Das Haus wurde nicht schick saniert, im Labor riecht es wie früher in der Schule im Chemielabor. Hier betreibt das Institut für Dünnschichttechnologie und Mikrosensorik e. V. anspruchsvolle Forschung. „Wir sind sozusagen die Forschungsabteilung für kleine mittelständische Unternehmen“, sagt der Chemiker Thomas Köpnick. Angeboten werden zum Beispiel Verfahren zur energieeffizienten Verglasung oder zur automatisierten Reinigung großer Formwerkzeuge. Zu den Nutzern der Forschungsergebnisse gehört auch eine Firma in Caputh. „Wir können mehr als der Institutsname ausdrückt“, so Hans-Detlev Gilsing. Auch er ist Chemiker. Forschen, Mittel für die Forschung akquirieren, ebenso Kunden, die die Forschungsergebnisse nutzen – ein strammes Programm für 15 Mitarbeiter. Aber das Institut gibt es schon mehr als 20 Jahre.

Für die Besucherin aus dem Umweltministerium war vieles nicht fremd, was in den Instituten geschieht, nicht nur, weil Teltow zu ihrem Wahlkreis gehört. „Ich war hier Mitte der 70er Jahre schon beim Subbotnik“, sagte Katherina Reiche beim Abschied.



aktualisiert von John Kidd, 19.01.2014, 19:07 Uhr
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